taufkleid und kommunionkleid

Der Apostel Paulus schreibt: „Legt den alten Menschen ab, ... ändert euer früheres Leben, und erneuert euren Geist und Sinn. Zieht den neuen Menschen an, der nach dem Bild Gottes geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit.“ Darauf läßt er praktischer Ermahnungen für ein Leben in der Nachfolge Jesu Christi folgen - in seinem Galaterbrief lesen wir: „Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus angezogen.“

Diese Apostelworte sind der Hintergrund für unsere Taufkleider. In der frühen Kirche trugen die Taufbewerber (Katechumenen) während der Vorbereitungszeit dunkle Gewänder als Zeichen der Bereitschaft umzukehren und ein neues, christliches Leben zu führen. Bei der Taufe (in der Regel in der Osternacht) zogen sie dann ein weißes Gewand an, als Zeichen für den Neubeginn durch die Sündenvergebung in der Taufe und der Hoffnung, daß Gott ihnen helfen möge, ein gutes Leben zu führen.

Daraus entwickelte sich auch unser heutiges, weißes Taufkleid, das den Neugetauften mit den Worten angezogen wird: „Das weiße Kleid soll dir ein Zeichen dafür sein, daß du in der Taufe neu geschaffen worden bist und - wie die Schrift sagt - Christus angezogen hast. Bewahre diese Würde für das ewige Leben.“

Christus „als Gewand“ anzuziehen bedeutet nicht etwas äußerliches zu tun, sondern das Gewand soll nach außen einen neue Lebenseinstellung darstellen. Beispiele für eine solche Bedeutung von Kleidung gibt es in der heutigen Jugendszene ja reichlich.

Die Liturgie der Taufe sieht ausdrücklich vor, daß die Kinder das Taufkleid nach der eigentlichen Taufe angelegt bekommen. Wir haben in St. Marien ein Taufkleid, bei dem dies sehr leicht geht, man kann es einfach über den Kopf streifen. Bei den Taufkleidern, die man kaufen kann, ist das viel aufwendiger und das Kind ist meistens während der Taufe auch nicht sehr kooperativ. Daher legen viele Eltern das Kleid schon vorher an, auch wenn das die Zeichenhaftigkeit verkürzt.

Für viele Leute bedeutet die weiße Farbe des Taufkleids „Reinheit und Unschuld“, aber das ist eher eine junge, nachträgliche Deutung. Man muß sich vor Augen führen, wie in der Antike Kleider gefärbt wurden. Billige Kleider waren eher grau-grün, weil das unempfindlich und mit Pflanzenfarbe leicht zu färben war. Für prachtvolle, farbige Kleider (rot, violett u.ä.) brauchte man den teuren Farbstoff der Purpurschnecke. Weiß dagegen war eher preiswert, da man zu seiner Herstellung nur eine Bleiche, also eine Wiese mit Wasser und Sonnenlicht brauchte.

Christen sahen in der Sonne ein Symbol des himmlischen Lichtes und auch der Auferstehung, so daß die weiße Farbe als „Farbe der Ewigkeit“ den anderen Festtagsfarben Konkurrenz machen konnte.

Die schwarze Farbe wurde erst in der Moderne zum Zeichen der Trauer. In anderen Ländern und in der Vergangenheit war Schwarz eher die festliche Farbe der Freude. Spuren davon haben sich bei uns u.a. in der schwarzen Kleidung der Musiker eines Orchesters oder in den Anzügen eines Kommunionkindes oder eines Bräutigams erhalten.

Meine Oma hat noch in einem schwarzen Brautkleid (mit weißem Schleier) geheiratet. Weiße Brautkleider kamen erst später auf, sie sind eigentlich die Erweiterung des weißen Brautschleiers, der Unschuld, Jungfräulichkeit symbolisieren soll.

Die Bedeutung der weißen Farbe geht aber weit über Reinheit und Unschuld hinaus. Sie symbolisiert Licht, Sonne, Christus, Friede, Freude, Fest, Vollkommenheit und Glanz. Daher ist sie auch die Festfarbe der liturgischen Gewänder an den Hochfesten; an Ostern, Weihnachten und an Christusfesten.

Mit Bezug auf die Paulusworte verwenden auch die Brüder der Gemeinschaft von Taizé in Frankreich, wie auch andere Ordensgemeinschaften für ihr Ordenskleid die weiße Farbe, als Zeichen dafür, daß sie ihr altes Leben abgelegt und Christus „angezogen“ haben, ein neuer Mensch geworden sind.

Nach und nach knüpften sich auch an das Taufkleid neue (inzwischen alte) Traditionen. In manchen Familien ist es Brauch, daß das Taufkleid selbst genäht wird und Name und Taufdatum in den Saum des Kleides gestickt werden. Bei mehreren Kindern wird das Taufkleid „vererbt“ und mit den Namen und Taufdaten der Geschwister ergänzt. In anderen Familien wird das Taufkleid aus dem Brautkleid der Mutter genäht, eigentlich eine sehr katholische Tradition, die zeigt, wie sehr Ehe und Familie zusammengehören. Für die evangelische Kirche hat das Taufkleid heute nur geringen Bedeutung, obwohl es auch dort von vielen Familien verwendet wird, sei es aus Familientradition, oder einfach weil es ein schönes Zeichen ist.

Die Neugetauften der frühen Kirche trugen ihr weißes Kleid (lat. Alba) acht Tage lang. Die Tage nach Ostern wurden sämtlich wie ein Sonntag gefeiert, um die Bedeutung des Festes zu unterstreichen. Es gab also eine große, feierliche Festwoche. Davon hat sich heute nur noch der Ostermontag erhalten.

Am achten Tag trugen die Täuflinge zum letzten Mal ihr weißes Taufkleid, daher hat der „Weiße Sonntag“ seinen Namen. Später (nach dem Konzil von Trient (1545-63) wurde dieser Tag zum Tag der feierlichen Erstkommunion.

Dazu muß man wissen, daß in der frühen Kirche die Täuflinge, Erwachsene - aber auch Säuglinge - Taufe, Erstkommunion und Firmung gleichzeitig erhielten, was sich in der orthodoxen Kirche bis heute erhalten hat. Daher sind Tauf- und Kommunionkleid eigentlich ein und dasselbe Kleid (in unterschiedlicher Größe).

In Erinnerung an ihre eigene Taufe, bei der sie das weiße Kleid empfangen haben, gehen (heute nur noch) die Mädchen als Kommunionkinder in weißen Kleidern erstmals zum Tisch des Herrn.

Von daher kann man ebenfalls das weiße Brautkleid ableiten, denn die weiblichen Täuflinge wurden auch als „Bräute Christi” gesehen, wohl auch mit ein Grund dafür, daß manche Kommunionkleider heute eher Brautkleidern denn schlichten Taufgewändern ähneln.

Wobei die Bezeichnung „Braut Christi“ wenig mit unserer Vorstellung von Hochzeit zu tun hat, den sie kommt von dem Bild des himmlischen Hochzeitsmahles her und bezieht sich auf das Festmahl der Hl. Eucharistie, die ja ein Vorgeschmack auf das himmlischen Mahles am Ende der Tage ist.

Das himmlische Hochzeitsmahl ist eines der schönsten Bilder, die die Bibel als Umschreibung für das kommende Reich Gottes benutzt: „Selig, wer zum Hochzeitsmahl des Lammes eingeladen ist.“ - dieses Wort aus der Offenbarung des Johannes wird daher häufig auch als Kommunionspruch vor der Austeilung des Leibes Christi gebraucht.

Interessant ist vielleicht, daß früher auch die Verstorbenen in ein weißes Totenhemd (“das sprichwörtliche „letzte“ Hemd) gekleidet wurden. Auch dieses weiße Totenhemd soll eine symbolische Verbindung zum Taufkleid darstellen, denn schließlich ist Weiß auch die Farbe der Auferstehung.