unsere Mutterkirche: herz-jesu

Zu Anfang des Jahres 2001 ging unsere “Muttergemeinde” Herz-Jesu in Oberlohberg in der neu errichteten Heilig-Geist - Gemeinde auf. Von der Oberlohberger Pfarrgemeinde wurde unsere St. Marien - Gemeinde damals (1919) abgepfarrt, denn die Bauerschaft “Unterlohberg” in der Schacht und Siedlung Lohberg entstanden gehörte damals zu Herz-Jesu und wurde von dort aus seelsorglich betreut. Auch unser Gründerpfarrer Albert Nienhaus war zunächst dort tätig.

Zur Fusion der Gemeinden Herz-Jesu und Heilig Geist erschien im Sonntagsgruß vom 14.1.2001 in St. Marien folgender, launiger Text:

“St. Marien jetzt Vollwaise? - Ein ungewöhnliches Problem tut sich für St. Marien durch die Fusion der beiden Gemeinden Herz-Jesu und Heilig-Geist auf. Familiengeschichtlich ist Herz-Jesu unsere Muttergemeinde (von 1906), denn von dort sind wir abgepfarrt worden. Die alte Heilig-Geist-Pfarre wäre dann unsere jüngere Schwester (1965). Jetzt ist Heilig Geist neu gegründet worden (2001). Wer ist nun unsere Muttergemeinde? Die neue Heilig-Geist-Gemeinde, die 82 Jahre jünger ist? Das kann ja nicht sein. Nun, aber wir haben es noch gut. Gänzlich verworren wird es für unsere Tochtergemeinde St. Albertus Magnus deren Großmuttergemeinde nun nicht mehr besteht. Gut daß die Bruckhausener und Hünxer noch ihre Mutter haben...

Wir dokumentieren im folgenden den Text der Festschrift zum 50-jährigen Bestehen von Herz-Jesu im Jahre 1969, die im Zusammenhang mit der Entstehung unserer Pfarrgemeinde durchaus lesenswert ist. Vielleicht bietet der Text aber auch manchem der Gemeindemitglieder der Herz-Jesu-Gemeinde noch interessante Informationen, da das Heftchen inzwischen vergriffen sein dürfte:

Im 7. und 8. Jahrhundert kamen die ersten irischen Mönche in unser Land und verkündeten das Wort Gottes. Das Gebiet von der Rheinmündung bis nach Luxemburg wurde vom hl. Willibrod missioniert. Er gründete das Bistum Utrecht und wahrscheinlich die nach ihm benannte Kirche in Wesel. Mehr südlich der Ruhr wirkte der hl. Suitbert. Die Abtei Werden wurde vom hl. Ludgerus errichtet. Zwei Hiesfelder Brüder traten damals in das Werdener Kloster ein. Es ist anzunehmen, daß auf Betreiben dieser beiden Brüder die Hiesfelder Dorfkirche errichtet wurde. Die ursprünglich romanische Kirche wurde im 12. Jahrhundert erbaut und war bis 1436 die Mutterkirche Dinslakens. Ihr Patron soll der hl. Cyriakus gewesen sein, dessen Bildnis auch das Hiesfelder Schöffensiegel zeigt. Zweimal brannte die Kirche ab, wobei jeweils der Turm erhalten blieb. Der Wiederaufbau des Kirchenschiffes erfolgte im gotischen Stil. Die Glocken der Kirche sind aus den Jahren 1490 und 1520.

In den Jahren 1585/86 entschieden sich die Einwohner der Pfarrgemeinde Hiesfeld unter ihrem damaligen Pfarrer Engelen für den reformierten Glauben. Die "Dorfkirche" wurde fortan von dieser evangelischen Gemeinde benutzt.

Im Hiesfelder Raum wurden die Katholiken von den Nachbarpfarreien in Dinslaken, Sterkrade, Holten und Kirchhellen betreut. Das Ende des vergangenen Jahrhunderts brachte eine stürmische industrielle Entwicklung durch Kohle und Stahl. Durch die an der Peripherie unserer jetzigen Gemeinde entstandenen Zechen und Industriebetriebe wurden viele arbeitssuchende Menschen angezogen. Die Zahl der Katholiken wuchs sprunghaft.

Die bischöfliche Behörde in Münster sah sich nun vor die dringende Notwendigkeit gestellt, in dem damaligen Gemeindebezirk zwei Gotteshäuser zu errichten. Ausgewählt wurden die Standorte Oberlohberg und Schmachtendorf. Für den Bereich Oberlohberg wurde unter dem Pfarrer Karl Schönberg aus Dinslaken am 30. Juni 1895 mit der Baufirma Gebr. Laakmann aus Rees ein Kirchbauvertrag abgeschlossen. Die Leitung des Kirchbaues wurde dem Architekten Wilhelm Rinklage aus Münster übergeben. Das Grundstück wurde von der Familie Heinrich Bittger der Kirche geschenkt. Am 18. August 1895 fand die feierliche Grundsteinlegung statt. Unter Beteiligung und Mitarbeit der Gemeindemitglieder wurde das Gotteshaus "Herz Jesu" in gut einem Jahr fertiggestellt. Am Rosenkranzsonntag des Jahres 1896 konnte das erste Meßopfer gefeiert werden. Ein Kaplan aus Sterkrade feierte bis zur Errichtung des Pfarrhauses den sonntäglichen Gottesdienst. Als im Frühjahr des Jahres 1897 das Pastorat fertiggestellt war, zog Herr Kaplan Rölfing, der neuernannte Seelsorger für "Herz Jesu Oberlohberg", ein.

Dem Wunsche der Gläubigen folgend, gründete Herr Kaplan Rölfing am 11. Juni 1897 den Kirchenchor "Cäcilia".

Als Ausdruck des lebendigen Glaubens wurde 1898 das Innere der Kirche durch das Bildnis der Immerwährenden Hilfe bereichert.

Da die Zahl der Katholiken ständig wuchs, ergab sich die Notwendigkeit, eine kath. Volksschule zu errichten. Sie entstand im Jahre 1900 an der Ecke Dicker-/Büngelerstraße und erhielt den Namen kath. Bergschule. Bis 1913 wurde sie auch von den Kindern aus Unterlohberg besucht. Im Jahre 1911 wurde als Entlastung der Bergschule für die Kinder des Hiesfelder Raumes im Saale Luft eine Notschule eröffnet. Der Bau der Feldschule erfolgte 1914.

Im Sommer 1901 verließ Kaplan Rölfing die Gemeinde. Sein Nachfolger war von 1901 bis 1906 Herr Kaplan Ferdinand Kleinebrecht. In seine Amtszeit fiel die Aufstellung des reichgeschnitzten Hochaltares.

Die Erhebung des Seelsorgebezirkes Hiesfeld zu einem selbständigen Rektorat erfolgte am 17. April 1906. Herr Kaplan Samuel Ridder aus Wesel leitete als erster das Rektorat bis zum Jahre 1909. Sein Nachfolger wurde Rektor Albert Nienhaus. Er gründete am 29. Juli 1910 den katholischen Arbeiterverein. Im Jahre 1913 erhielt die Pfarre mit Herrn Kaplan Johannes Kempges eine Hilfskraft. Er wirkte 22 Jahre in der Gemeinde, und zwar 6 Jahre als Kaplan und 16 Jahre als Pfarrer.

Arn 6. Juli 1915 hielt der Neupriester Bernhard Sanders seine Primizfeier. Er war und ist der bisher einzige Priester, der aus unserer Gemeinde hervorgegangen ist.

 

 

 

 

 

 

Am 28. Juli 1919 wurde das Rektorat zu einer selbständigen Pfarre erhoben. Zum ersten Pfarrer der Gemeinde wurde Herr Kaplan Kempges ernannt (links im Bild: Pfr. Johannes Kempges +).

Rektor Nienhaus übernahm im besonderen Auftrag des Bischofs die seelsorgliche Betreuung der katholischen Bewohner der neuen Siedlung Unterlohberg (rechts im Bild: Pfr. Albert Nienhaus +).

Zur Pfarrerhebung schenkte Herr Zecheninspektor Gibbels (Lohberg) der Herz-Jesu-Gemeinde eine Monstranz aus Kennelkohle, die der Berginvalide Josef Borussak nach einer Zeichnung des Goldschmiedes Johann von Ooyen (Kevelaer) anfertigte. In dieser formschönen Kohlemonstranz verwendete man erstmalig unedles Material zur Bereicherung der sakralen Kunst.

(Hier sehen Sie die Entstehungsschritte der “Kohlemonstranz”:)

Als Gründungsdatum des katholischen Frauen und Müttervereins verzeichnet die Chronik den 16. September 1919. Aus dieser Gemeinschaft erwuchs später für Aufgaben der Caritas der Elisabethverein.

Erst am 16. Juli 1920 fand die feierliche Einweihung der Kirche statt. Die Konsekration nahm der Hw. Herr Missionsbischof Döring S. J. vor. Eingemauert wurden Reliquien des hl. Urban und der hl. Thekla.

 

(Das Foto zeigt den Kirchenchor anläßlich des 25-jährigen Jubiläums (1897-1922))

 

 

 

 

Neun Jahre später wurde das Jugendheim an der Nordstraße errichtet.

Die Verpflichtung der ersten Ehrengardisten am 1. Juli 1929 gilt als Gründungstag der Ehrengarde. Die Gründer waren: Heinrich Krusen, Alois Funk, Heinrich Siemen, Josef Krusen, Theodor Terlinden, Bernhard Mook, Heinrich Sanders, Bernhard Schepers, Josef Hesse und Martin Brockmeier.

(Im Bild: Pastor Eckholt mit der Ehrengarde bei seinem silbernen Ortsjubiläum)

Die weit ausgedehnte Gemeinde erforderte für die Erledigung der Fürsorgefälle die Anstellung einer weiblichen Hilfskraft. Ein Jahr lang behalf man sich mit einer Laienschwester. Ende September 1932 kamen nach Fertigstellung des Schwesternhauses 3 Clemensschwestern nach Hiesfeld.

Der Hw. Herr Bischof Clemens August Graf von Galen berief im Frühjahr 1935 Herrn Pfarrer Johannes Kempges nach Issum. Die Einführung des Nachfolgers, Pfarrer Heinrich Eckholt, durch Herrn Dechant Theißelmann fand am 5. April 1935 statt. Schnell gewöhnte sich die damals 1630 Seelen zählende Pfarre an ihren neuen Seelsorger. Neben seinen seelsorgerischen Fähigkeiten besaß er eine besondere Neigung zu Neuerungen und baulichen Veränderungen. Auf seine Initiative hin erhielt auch der Friedhof durch die Aufstellung eines Kreuzes eine sinnvolle Bereicherung.

Die kirchenfeindliche Einstellung des Nationalsozialismus machte sich ab 1937 immer stärker bemerkbar. Aus vielen Maßnahmen, die der Erschwerung der Seelsorge dienen sollten, seien nachfolgend einige als Beispiel erwähnt: Erlaß des Regierungspräsidenten in Düsseldorf vom 2. 8.1937, der allen katholischen Geistlichen die Erteilung des Religionsunterrichtes an allen öffentlichen Schulen untersagte; die Auflösung aller konfessionellen Jugendverbände im Oktober des gleichen Jahres und die Beschlagnahme des Vermögens dieser Organisationen durch die Geheime Staatspolizei.

(Das Foto zeigt die Handballmannschaft des Jungmänner-Vereins im Jahre 192/)

Dieser äußere Druck bewirkte eine Vertiefung des religiösen Lebens, die ihren Ausdruck in einer dichten Folge von gut besuchten religiösen Wochen fand.

In die nun beginnende Epoche der Auseinandersetzung zwischen Kirche und Staatspartei fiel am 11. Juni 1939 das silberne Priesterjubiläum des Pfarrers Heinrich Eckholt, an dem die ganze Pfarrgemeinde regen Anteil nahm.

Der Ausbruch des Krieges am 1. September 1939 wurde in der Pfarrchronik nicht erwähnt, doch brachte er schon bald bitteres Leid über die Herz-Jesu-Gemeinde. Die Gefallenenmeldungen häuften sich.

Am 19. April 1943 fielen die drei Kirchenfenster an der Nordseite den Auswirkungen einer Luftmine zum Opfer, die an der Buschstraße gefallen war. In der gleichen Nacht gab es im Arbeitslager im Rotbachtal unter den belgischen Arbeitern 30 Tote und viele Verwundete.

Am 17. Oktober 1944 zertrümmerte ein abgeschossenes Flugzeug das Haus der Drogerie van Laak. 23 Frauen und Kinder fanden dabei den Tod.

Mit dem Beginn der alliierten Offensive am Niederrhein im Februar 1945 wurde das Gebiet der Pfarrgemeinde in den unmittelbaren Frontbereich einbezogen. Die ersten gefallenen Soldaten wurden am 8. März 1945 auf unserem Friedhof beigesetzt.

Ein schwerer Luftangriff am 23. März 1945 zerstörte die Stadt Dinslaken, und das kath. Vinzenz-Hospital ging in Flammen auf. Zwei Tage später wurde das Türmchen unserer Pfarrkirche durch zwei Artillerietreffer zerstört. Auch das Pfarrhaus erhielt mehrere Treffer. Im Keller des Hauses fand ein Soldat den Tod.

Neue Probleme erwuchsen der Gemeinde durch die anschließende Besatzung. Die Kirche wurde als Unterkunft für Soldaten beschlagnahmt. Der Gottesdienst mußte daher im Pastorat abgehalten werden. Zum stellvertretenden Bürgermeister für den Bezirk Oberlohberg ernannten die Besatzungsbehörden Pfarrer Eckholt. Nach kurzer Zeit gelang es ihm, gegen den Mißbrauch des Gotteshauses erfolgreich Einspruch zu erheben.

Im Sommer 1945 wurden Kirche und Pfarrhaus wiederhergestellt. Nachdem im September 1946 das durch Kriegswirren arg mitgenommene Schwesternhaus seiner Bestimmung wieder zugeführt werden konnte, richtete man notdürftig in einem Zimmer dieses Hauses die Handarbeitsschule ein.

Im Sommer 1947 renovierte man trotz Schwierigkeiten bei der Beschaffung von Material und Arbeitskräften das arg zerstörte Jugendheim. Besondere Verdienste erwarben sich hierbei die Maurer Schwark und Gerlings nebst Söhne, die Mitglieder des Arbeitervereins: Josef und Franz Meister, Theodor Halver, H. Rabiga und einige Mitglieder des Jungmännervereins unter Führung von Rudi Pastoors.

Auch dann, als das Notdürftigste getan war, blieb die Opferfreudigkeit der Gemeinde erhalten. Im Spätsommer 1951 war die Erneuerung der 10 zerstörten Fenster der Kirche abgeschlossen. (Bleiverglasung durch Fa. Ignatz Donat, Buer i. W.)

Für die Pfarre, die sich stark entwickelt hatte, ernannte am 15. November 1951 der Hw. Herr Bischof Dr. Michael Keller den Neupriester Walter Willebrandt zum Kaplan. Nach einem halben Jahr nahm er wieder Abschied von Hiesfeld, um eine Vertretung in Marl-Hüls zu übernehmen.

Weiteren Spenden aus der Gemeinde war es zu verdanken, daß am 1. Juni 1952 zum ersten Mal die neuen Glocken läuteten. Geliefert wurden sie von der Firma Junker, Brilon. Das elektrische Läutewerk und die Turmuhr wurden am gleichen Tag von der Firma Hörz aus Ulm eingebaut.

Eine Renovierung der Kirche, bestehend aus Beseitigung der Bergschäden und einem Neuanstrich des Innern, wurde am 8. 6.1952 beendet.

Die Fertigstellung einer Gedenktafel für die gefallenen Soldaten des Weltkrieges 1939 - 1945 unter der Orgelbühne fiel in den gleichen Zeitraum.

Am 1. 8. 1953 nahm Herr Kaplan Bruns, der ein halbes Jahr wegen Krankheit des Pfarrers als Pfarrverwalter tätig war, seinen Abschied, um seine neue Stelle als Religionslehrer an der Berufsschule in Duisburg anzutreten. Danach war Pater Thomas für kurze Zeit als Kaplan in unserer Gemeinde tätig. Er wurde am 27. 3. 1955 von Herrn Kaplan Jaksch abgelöst. Auch er blieb nur kurze Zeit.

Wohnungsnot und Raumknappheit brachten es mit sich, daß alte Gewohnheiten nicht mehr beibehalten werden konnten. So war es z. B. nicht mehr möglich, bei Sterbefällen die Toten in der Wohnung aufzubahren. Der Bau einer Leichenhalle entsprach daher einer dringenden Notwendigkeit. Wie in vielen früheren Fällen brachte auch hier die Selbsthilfe der Gemeinde eine Lösung des Problems. So konnte die Leichenhalle auf dem Friedhof für etwa 8 000,- DM Materialkosten erstellt werden.

Wenige Monate nach ihrem silbernen Ortsjubiläum starb am 18. Oktober 1957 die von der Herz-Jesu-Gemeinde wegen ihrer unermüdlichen Sorge für die Kranken hochgeschätzte Schwester Casimira. Selten wurde an einem traurigen Ereignis in der Gemeinde so großen Anteil genommen. Sie wurde unter großer Beteiligung der Pfarrangehörigen am 21. Oktober 1957 auf dem hiesigen Friedhof in der Schwesterngruft beigesetzt.

Die Notwendigkeit einer Pfarraufgliederung hatte man bereits im Jahre 1935 erkannt. Die kirchenfeindliche Einstellung des Nationalsozialismus, der Krieg und die Wirren der Nachkriegszeit hatten die Durchführung aller Pläne verhindert. Diese Situation änderte sich, als im Jahre 1957 der Hw. Herr Bischof Dr. Michael Keller die holländischen Passionisten bat, in Hiesfeld ein Kloster zu errichten und dort die Seelsorge zu übernehmen. Anfang 1958 wurde mit dem Bau eines Hauses für etwa 10 - 12 Patres mit einer Kapelle begonnen. Am 12. Oktober des gleichen Jahres fand in dieser Kapelle die erste hl. Messe statt. Das Gebiet der Herz-Jesu-Gemeinde südlich des Rotbaches und westlich der Büngeler Straße wurde an die neue Rektoratsgemeinde abgetreten. Die neue Gemeinde zählte rund 2.500 Gläubige. Nach der Teilung blieben bei der Herz-Jesu-Gemeinde noch rund 500 Seelen.

Nach einer kurzen Krankheit starb am 15. März 1962 im kath. Vinzenz-Hospital der Pfarrer der Gemeinde, Heinrich Eckholt. Zwei Jahre zuvor hatte er noch sein silbernes Ortsjubiläum feiern können. Er war ein Mann der stillen Seelsorge und liebte keine großen Auftritte in der Öffentlichkeit. Mit seinem Heimgang zu Gott fand ein aufrechtes und unerschrockenes Priesterleben seine Vollendung. Am 20. März 1962 fand in der überfüllten Herz Jesu Kirche das feierliche Seelenamt statt, das von Probst Theißelmann, assistiert von Pfarrer Grave und Rektor P. Gottfried Martijn, zelebriert wurde. Prälat Nienhaus würdigte in seiner Gedenkpredigt den treuen Vater und Freund der Gemeinde. (Das Foto zeigt das Grab von Pfr. Eckholt auf dem kath. Friedhof in Oberlohberg.)

Die nun verwaiste Pfarrgemeinde wurde von den Passionistenpatres aus dem Kloster Hl. Geist betreut. Am 27. Juni 1962 erhielt Pater Amselmus Hotterbeekx die Anstellung als Pfarrverwalter in der Pfarrgemeinde Herz Jesu (links im Bild: Pater Anselmus Hotterbeekx).

Die Neuerungen und Änderungen in der Kirchenliturgie blieben auch in der Herz-Jesu-Pfarre nicht unbeachtet. So feierte Pastor Hotterbeekx am 8. März 1963 zum ersten Male das Meßopfer mit dem Gesicht zu den Gläubigen. Am 20. März fand die erste Sitzung des neugebildeten Pfarrkomitees statt. Es wurden Probleme der Gestaltung der Meßfeier besprochen.

Der 5. Mai 1963 war für die KAB Herz-Jesu Oberlohberg, die im Jahre 1910 von Herrn Pastor Nienhaus gegründet worden war, ein großer Tag. Vor dem Hochamt fand die Weihe des neuen Banners statt. Abordnungen der KAB St. Vincentius Dinslaken, der KAB St. Albert Bruckhausen, der KAB St. Marien Lohberg und der KAB Heilig-Geist Hiesfeld nahmen daran teil. Bei der Versammlung nach dem Hochamt wurden 15 neue Mitglieder in die KAB aufgenommen.

Im Februar 19641 wurde der Seelsorgebezirk Heilig-Geist zum Pfarrrektorat erhoben. Als Folge schieden aus dem Kirchenvorstand Herz-Jesu die Mitglieder aus, die zu dem neuen Pfarrektorat gehören. Die Erhebung zur selbständigen Pfarre erfolgte im Jahre 1965.

Im November 1964 begannen die Umbauarbeiten des Jugendheimes, nachdem die Frage der Finanzierung, der Neugestaltung und der Bauleitung geklärt waren. Die Beendigung der Arbeiten war für Februar 1965 geplant, zog sich aber wegen unvorhergesehener Schwierigkeiten, wie schlechter Untergrund, morsche Balken, schlecht isolierte Wände, bis September 1965 hin. Am Nachmittag des 19.Dezember 1965 weihte Herr Pastor Hotterbeekx das Jugendheim ein. Die ganze Kirchengemeinde freute sich über ihr neues Heim. Bei seiner Einweihungsrede drückte Herr Pastor Hotterbeekx die Hoffnung aus, daß sich in dem von dem Dinslakener Architekten Buchmann neugestalteten Heim nicht nur die jungen Menschen, sondern die ganze Gemeinde wohlfühlen möge. Das dürfte nicht schwerfallen. Große Fenster lassen viel Licht in die pastellfarbig gestrichenen Zimmer. Moderne, bequeme Möbel und formschöne Lampen schaffen eine behagliche Atmosphäre. Ein Raum steht den Jungengruppen und einer der weiblichen Jugend zur Verfügung. Ein schöner Saal mit einer kleinen Bühne dient Gemeinschaftsveranstaltungen der Jugend und kann auch als Pfarrsälchen benutzt werden. Auch eine kleine Küche wurde eingerichtet.

Die erste Veranstaltung im neuen Heim fand am gleichen Nachmittag statt. Die Kinder der Bergschule gestalteten für die älteren Pfarrmitglieder eine kleine Adventsfeier.

Auch die Kirche erhielt im Herbst des gleichen Jahres ein würdiges Inneres. In strahlendem Weiß, lichtem Grau und kräftigem Blau soll die Kirche nach dem Willen des künstlerischen Beraters den Eindruck des Himmelszeltes vermitteln. Die großen, farbigen, mit Symbolen aus der Heilsgeschichte bemalten Fenster wurden überarbeitet. Die alte, brüchig gewordene Orgelempore erhielt eine neue Front in hellem, naturfarbenem Holz. Außen wurde das Eingangsportal ausgebessert und die alten, ausgetretenen Stufen durch neue ersetzt. Um den neugeschaffenen Eingang verlegten Pfarrmitglieder Platten, die es ermöglichen, die Kirche auch bei Regenwetter trockenen Fußes zu betreten.

Das furchtbare Unwetter im Sommer 1966, an das sich sicherlich noch alle Pfarrmitglieder erinnern, verschonte auch unsere Kirche nicht. Taubeneigroße Hagelkörner durchlöcherten 2 der 3 Chorfenster. Auch das Kirchendach wurde in Mitleidenschaft gezogen. Die Ausbesserung der Fenster erfolgte im Juni 1967, die des Daches erst Ende 1968 / Anfang 1969.

Das Jahr 1968 brachte der Gemeinde ein großes Ereignis. Pfarrer Anselmus Hotterbeekx feierte sein 25jähriges Priesterjubiläum. Am 30. Mai 1943 war er in Mook (Holland) zum Priester geweiht worden. Am Jahrestag seiner Priesterweihe feierte die Bergschule mit ihm einen festlichen Gottesdienst. in einer kurzen Feier in der Schule überreichten die Kinder hübsche Geschenke. Hauptlehrer Frank dankte dem Jubilar für seinen Einsatz. Den Rest des Tages feierte er im Kreise seiner Mitbrüder im Kloster Heilig Geist.

Die offizielle Feier fand am 16. Juni 1968 statt. Der Festtag begann mit einem feierlichen Hochamt in Konzelebration von 4 Geistlichen mit dem Jubilar. Daran schloß sich die Gratulationscour im festlich geschmückten Jugendheim an, zu der viele Gratulanten von nah und fern gekommen waren. Als Ausdruck der Dankbarkeit schenkte die Pfarrgemeinde ihrem Geistlichen ein modernes Meßgewand. Der Jubilar dankte mit bewegten Worten für die große Anteilnahme und die zahlreichen Geschenke anläßlich seines silbernen Priesterjubiläums. Am Nachmittag debütierte die am 3. Dezember 1967 gegründete Laienspielschar mit dem Lustspiel "Lügen um ein Kuckucksei", das bei den Zuschauern immer wieder Lachsalven auslöste. Am Abend versammelte sich die Gemeinde im Saale Gansen zu einem Pfarrfamilienabend. In froher Runde verbrachten der Jubilar mit seinen Eltern und Geschwistern und die Pfarrmitglieder fröhliche Stunden.

Diesem Jubiläum schließt sich nun in diesem Jahre die Feier des 50-jährigen Bestehens der Herz-Jesu-Pfarre an, zu dessen Anlaß diese Festschrift herausgegeben wurde.